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Allgemeines
Der Eisbär
ist eines der größten Landraubtiere der Erde und kann bis zu 40 Jahre
alt werden. Die Männchen werden bis zu 2,5 m lang und erreichen eine
Schulterhöhe von ca. 1,50 m. Das Gewicht der Männchen erreicht bis zu
800 kg. Die Weibchen sind deutlich kleiner und leichter. Der Schwanz des
Eisbären ist 7 bis 12 cm lang.
Äußerlich gleicht der Eisbär, den die Eskimos "Nanuk" oder
"Nanook" ("großer Jäger") nennen, dem Schwarz- und
Braunbären kaum. Doch das Aussehen täuscht! Mit dem Braunbären ist er
tatsächlich nahe verwandt. In Gefangenschaft hat es Fälle von
erfolgreicher Paarung und Geburt von Eis- und Braunbären gegeben!
Manche Biologen halten den Grizzly der westlichen amerikanischen
Eismeerküsten für eine wildlebende Kreuzung aus Eis- und Braunbär.
Eisbären sollen sich während der Eiszeiten vor ca. 100.000 Jahren aus
Europäischen Braunbären entwickelt haben. Damit dürften Eisbären
eigentlich die jüngste Bärenart sein. Sie haben sich erfolgreich an
die kalte und lebensfeindliche Umwelt des arktischen Eises angepasst.
Eisbären haben im Vergleich zu anderen Bären einen relativ langen,
schmalen Kopf mit flacher Stirn. Ihr Gebiss ist sehr stark. Es umfasst
42 Zähne und weist die typische Gestalt eines Raubtiergebisses auf. Die
Augen sind braun und schauen vorwärts. Über den Augen besitzt der Eisbär
eine Schutzmembran, die vor UV-Einstrahlung schützten sollen. Der Eisbär
kann seine Ohren und Nasenlöcher beim Tauchen verschließen. Von Eisbären
wird behauptet, dass sie fast völlig farbenblind seien.
Die Augen bleiben bei Tauchgängen geöffnet. Die Sehschärfe unter
Wasser ist offenbar sehr gut: Eisbären können tauchend gezielt Fische
erbeuten und Algen abweiden.
Das Blut wird beim Schwimmen durch ein gegenläufiges
Durchblutungssystem an der Hautoberfläche gekühlt und im Inneren des Körpers
wieder erwärmt. Eisbären bewegen sich an Land überwiegend auf allen
vier Beinen, können aber über kurze Strecken auch zweibeinig auf den
Hinterbeinen laufen. Der charakteristische Eisbärengang ist eine
Anpassung, um sicherer auf glattem Eis zu laufen. Er kostet den Eisbären
aber doppelt so viel Energie, wie andere Säugetiere zur normalen
Fortbewegung brauchen. Ein Eisbär bewegt sich im Schnitt mit 5.5 km/h,
kann aber kurzzeitig bis 40 km/h erreichen. Eisbären ermüden bei
solcher Anstrengung aber schnell. Die Schwimmleistungen der Eisbären
sind erstaunlich: manche Eisbären wurden beobachtet, wie sie schwimmend
über 100 km zurücklegten! Eisbären vermögen auch zu tauchen, ca. 4 m
tief und über eine Dauer von einigen Minuten. Das Erklettern steiler
Eisklippen stellt kein großes Problem dar. Beim Abstieg von steilen
Schneehängen nehmen Eisbären eine schräg nach oben gerichtete
Stellung ein und benutzen ihre Vordertatzen als Bremsen, oder sie
rutschen einfach auf dem Bauch hinunter. Eisbären bewegen sich
vorsichtig und rückwärts, wenn sie ins Wasser steigen, oder sie
springen kopfüber hinein. Sie entwickeln beim Ausstieg aus dem Wasser,
besonders beim Robbenfang, eine erstaunliche Schnellkraft: sie können
dann bis zu 2 m hoch springen! Mehrere Männchen kämpfen um ein
Weibchen; der Sieg wird durch Fortjagen der Unterlegenen entschieden.
Nur selten verletzen sich Eisbären ernsthaft bei Kämpfen, die
Verletzungen sind dann meist gebrochene Knochen oder Schnittwunden, die
Narben hinterlassen. Eisbären halten keine Winterruhe.
Das Eisbärenfell ist sehr dicht, unter der Haut besitzt der Eisbär
eine starke Speckschicht. Das Fell ist nicht (wie viele annehmen) weiß,
sondern durchsichtig. Die Farben weiß, gelblich bis braun oder
cremefarben erscheinen uns nur durch die Umwelteinflüssen, die der Eisbär
grade ausgesetzt ist. Sein Fell sorgt in der polaren Umgebung für eine
hervorragende Tarnung, wenn der Bär seine Beute jagt. Das helle
Deckfell bedeckt den gesamten Körper außer der Schnauze und den Augen
sowie den Fußsohlen. Der Eisbär wechselt sein gesamtes Haarkleid von
Mai bis Juni. Dieser Prozess dauert dann mehrere Wochen. Das Fell des
Eisbären ist ölig und wasserabweisend; ein Eisbär, der aus dem Wasser
steigt, kann mühelos alle Nässe abschütteln, bevor diese gefriert.
Die Tatzen haben je fünf Zehe. An jeder Zehe sitzt eine starke,
gebogene, nicht zurückziehbare Kralle. Die Vordertatzen sind rundlich,
die hinteren etwas langgezogen. Die Krallen und lange Haare zwischen
Tatzen und Zehen sorgen für Reibung auf dem Eis. Die bis 30 cm
durchmessenden Vordertatzen sind ruderartig verbreitert und mit
partiellen Schwimmhäuten ausgestattet. Eisbären können mit ihren
Vordertatzen Gegenstände geschickt bewegen. Die Fußballen sind wärmeisoliert;
Eisbären laufen ähnlich wie Menschen auf der ganzen Fußsohle.
Nicht die Kälte ist für Eisbären problematisch, sondern die eigene Körperwärme:
Eisbären sind insgesamt so gut gegen Wärmeverluste isoliert, dass sie
aktiv gegen ihre eigene Überhitzung arbeiten müssen, z.B. nach langer
Anstrengung durch Schwimmen im kalten Wasser , oder durch meist relativ
langsame, gleichmäßige Bewegungen.
Außer zur Paarungszeit und abgesehen von Müttern mit ihrem
Nachwuchs sind Eisbären Einzelgänger. Nur sehr selten schließen zwei
oder mehrere, meist gut ernährte Männchen "Freundschaften".
Das Verhältnis von Männchen zu Weibchen ist recht genau 1:1. |